Kundenmagazin 01|26

Auf einen Kaffee // 5 Er gilt als Vater der ländlichen Genossenschaften und als einer der Wegbereiter der heutigen Volks- und Raiffeisenbanken: Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Der ehemalige Bürgermeister aus dem Westerwald suchte im 19. Jahrhundert nach Wegen, wie sich Menschen aus Armut und Abhängigkeit befreien können – und fand eine Lösung, die bis heute trägt: Hilfe zur Selbsthilfe. Bei einer Tasse Kaffee sprechen wir mit ihm über seine Motivation, die ersten Darlehnskassenvereine und die Kraft der Gemeinschaft. Auf einen Kaffee mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen Herr Raiffeisen, bevor wir beginnen: Darf es für Sie ein Kaffee sein – oder lieber ein Tee? Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Vielen Dank, ein Kaffee passt gut. In meiner Zeit war er noch etwas Besonderes und nicht überall selbstverständlich. Doch ein warmes Getränk und ein gutes Gespräch – das hat schon damals Menschen zusammengebracht. Sie gelten als Begründer der genossenschaftlichen Banken. Wie kam es dazu? Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Als Bürgermeister verschiedener Gemeinden im Westerwald erlebte ich die große Not vieler Bauern und Handwerker und derer Familien. Nach Missernten waren sie gezwungen, Kredite zu hohen Zinsen aufzunehmen. Viele gerieten dadurch in eine Abhängigkeit, aus der sie kaum herauskamen. Ich fragte mich: Wie können Menschen sich gegenseitig unterstützen, ohne auf Wohltätigkeit angewiesen zu sein? Und daraus entstand die Idee der Genossenschaft? Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Ja. Zunächst gründete ich Hilfsvereine, etwa um Brot oder Saatgut zu beschaffen. Doch mir wurde klar, dass dauerhafte Hilfe nur durch Selbsthilfe funktionieren kann. Deshalb gründeten wir Darlehnskassenvereine: Gemeinschaften, in denen Mitglieder Geld zusammenlegen und sich gegenseitig günstige Kredite ermöglichen. Ihr Leitsatz „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ ist bis heute bekannt. Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Dieser Gedanke beschreibt das Wesen einer Genossenschaft sehr gut. Wenn Menschen Vertrauen zueinander haben und Verantwortung teilen, entsteht eine starke Gemeinschaft. Jeder Einzelne profitiert – und trägt zugleich zum Wohl aller bei. Hätten Sie erwartet, dass Ihre Idee einmal weltweit verbreitet sein würde? Friedrich Wilhelm Raiffeisen: Nein, mein Ziel war zunächst sehr bescheiden. Ich wollte die Lebensbedingungen der Menschen in meiner Region verbessern. Dass aus diesen ersten Vereinen eine Bewegung entstanden ist, die bis heute in vielen Ländern wirkt, erfüllt mich mit großer Freude.

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